Hildesheimer Aikido Verein

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Selbstverteidigung mit Aikido?

Grundsätzlich muss erst mal eine Abgrenzung erfolgen. Ziel des Aikido ist nicht primär die Selbstverteidigung. Dies wird beispielsweise auf technischer Ebene und auch im Lehrsystem deutlich. Während nahezu alle Kampfsportarten erst auf die Wirksamkeit ihrer Techniken achten und erst später dazu übergehen, die Ausführungen fließend und möglichst perfekt auszuführen, wird im Aikido der umgekehrte Weg gegangen: An erster Stelle steht die fließende und möglichst korrekte Ausführung der Technik. Erst im Laufe der Jahre entwickelt sich hieraus eine gewisse Effektivität. Aikido beginnt also dort, wo andere aufhören (sofern sie bis dahin durchhalten). Dadurch entzieht es sich einfachen Vergleichen mit anderen Kampfkunst-Systemen.

Weiterhin ist zu beachten, was bei solchen Vergleichen abläuft. Irgendjemand sieht Aikido und konstruiert im Geist eine Situation, wo diese oder jene Aikido-Technik nicht funktioniert. Daraus wird dann abgeleitet, dass Aikido bestimmte Dinge nicht leisten kann. Zugegeben - da sich die Kampfkunst des Aikido technisch aus dem Schwertkampf ableitet und durch technische Änderungen in den letzten Jahrzehnten primär andere Ziele verfolgt als die überwiegende Zahl anderer Kampfsportler, ist es nicht von der Hand zu weisen, dass man nach ein oder zwei Jahren Aikido „weniger kann“ als nach der entsprechenden Zeit Karate, Kempo, Jiu Jitsu, usw.

Gerne wird aber übersehen, dass es in jeder anderen Disziplin Situationen gibt, die nicht oder nur sehr mühevoll beherrschbar sind. Selbstverteidigung setzt auch eine realistische Betrachtung der eigenen Fähigkeiten und Wünsche (bzw. Träume!) voraus. Wogegen soll denn Aikido helfen? Gegen einen Betrunkenen in der Kneipe, der jeden anrempelt oder träumt jemand davon, sich perfekt gegen zwölf gelangweilte Typen mit Baseballschlägern und Messern zu verteidigen? Selbst wer eine Maschinenpistole in den Händen hält, kann nicht gleichzeitig nach vorne und nach hinten schießen, um zu verhindern, von dort aus erstochen zu werden!

Die Schwierigkeit wird weiterhin dadurch gesteigert, dass viele Aikido-Lehrer sehr stark auf das Kata-betonte Lehrsystem des Aikido fixiert sind. Überlegungen und Betrachtungen aus „fremden“ Umgebungen werden meist ignoriert, weil „das ist ja kein Aikido“. Verwandt mit dieser Einstellung ist die Ablehnung von Techniken, weil man sie einfach nicht kann. Dieses Phänomen ist beispielsweise sehr häufig mit den klassischen japanischen Übungswaffen Bokken (Schwert) und Jo (Stock) zu beobachten.

Aikido ist universell und kann nicht auf die Frage „Selbstverteidigung: Ja oder Nein“ reduziert werden. Viele, die sich für Aikido interessieren, kommen aus „kämpfenden Disziplinen“ und sind plötzlich vom Aikido fasziniert. Es ist sogar zu beobachten, dass Budoka mit Wettkampferfahrung glücklich sind, mit Aikido eine Kunst gefunden zu haben, in der man weder gegen andere kämpfen noch gegen andere gewinnen muss. Der Vorteil des Aikido ist hierbei nicht seine wie auch immer geartete (oder herbeigesehnte) Effizienz, sondern der Umstand, dass Techniken nicht zwingend im Sinne eines Kampfes funktionieren müssen, um als gut zu gelten.

Jede Kampfkunst und beinahe jeder Sport kann als Breiten- oder Leistungssport betrieben werden. So verhält es sich auch mit Aikido. Das Können und die Fähigkeiten des einzelnen Aikidoka prägen sein/ihr Aikido.

Daher kann die obige Frage nur mit „vielleicht“ beantwortet werden.

Der Autor ist unbekannt

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